Eine spritzige Probestunde

Auf dem Wasser. Beim Ruderverein Gelsenkirchen 1920 e.V konnten wir einen Sommersport der etwas anderen Art erleben. In unserer Reihe »buerpott probiert« haben wir für euch getestet, was es mit der Faszination Rudersport auf sich hat.

VON LISA BERKHOLZ

Heute ist ein schöner Tag. Die Sonne scheint und glitzert auf dem Wasser. Beim Ruderverein Gelsenkirchen beginnt mit dem Sommer auch die Rudersaison. Die Stimmung ist ausgelassen und die ersten Ruderboote werden vor dem Boothaus mit einem Wasserschlauch abgespritzt. Eine kleine Gruppe lässt ihr Boot gerade ins Wasser. Heute ist viel los auf dem Rhein-Herne-Kanal in Gelsenkirchen.

Im Bootshaus treffe ich meinen heutigen Trainer Jan Dworatzek. Seit sechs Jahren ist er dem Rudersport verfallen. »Es ist immer schön wieder neue Gesichter hier zu sehen, die sich für den Rudersport interessieren«, begrüßt er mich freundlich. Sofort werde ich voll mit einbezogen. Jan drückt mir zwei Skulls in die Hände. Skulls sind die großen Paddel, mit denen wir uns auf dem Wasser fortbewegen werden.

Den Ruderverein Gelsenkirchen gibt es seit 1920. Hier kann vom Hobbysport bis hin zum Leistungsrudern alles ausprobiert werden. Das letzte Mal gewann 1988 eine Mannschaft des Vereins in Seoul Gold. Es werden auch Wanderfahrten angeboten. Dann wird das Zelt eingepackt und los gehts mit dem Ruderboot in noch nicht erforschte Gewässer.

:: Ist das wackelig ::

Schon das Einsteigen gestaltet sich als schwieriger als gedacht. Die Angst ins Wasser zu fallen ist doch größer als ich vermutet hätte. Die Skulls scheinen ständig im Weg zu sein. Alles fühlt sich groß und sperrig an. Dabei sieht das bei den Ruderern im Fersehen, bei den Olympischen Spielen, immer alles so einfach und elegant aus. Langsam und mit allergrößter Vorsicht steige ich in das Boot ein. »Du darfst deine Skulls niemals loslassen«, erklärt mir Jan. »Sie sind eine Lebensversicherung auf dem Wasser, ohne sie bist du manövrierunfähig.«

Ich sitze zusammen mit drei Mädchen in einem Boot, während unser Trainer Jan an der Spitze des Bootes sitzt und mit zwei Schnüren in der Hand das Steuer bedient. Schnell wird mir klar, dass das Rudern nicht so einfach ist wie ich dachte. Aber auf dem Wasser finde ich mich schnell in der Rhythmus meiner Gruppe ein. Doch der durchgehende routinierte Bewegungsablauf, wie ihn meine Kameraden schon haben fehlt mir noch. Mir wird schnell klar, dass Rudern ein absoluter Teamsport ist. Die Sonne scheint in unsere Gesichter und das Wetter spielt super mit. »Was gibt es da besseres als bei diesem Wetter auf dem Wasser zu sein«, meint Jan.

Wir machen viele kleine verschiedene Übungen auf dem Boot. Jeder unserer Gruppe muss einmal aufstehen und das Gleichgewicht halten. Jan passt dabei auf, das wirklich niemand ins Wasser fällt. Wir rudern weiter. Langsam komme ich mit dem Rhythmus meine Gruppe zurecht und wir legen an Tempo zu.

:: Übung macht den Meister ::

Nach einer Stunde ist mein Probetraining vorbei. Schon jetzt spüre ich vom Paddeln ein leichtes Ziehen in den Armen. Morgen wird es dann wohl einen schönen Muskelkater geben. Wir legen wieder am Bootsteg an. »Für das erste Mal gar nicht so schlecht«, meint Jan und hilft mir dabei aus dem Boot. Seiner Meinung nach, brauch jeder eine gewisse Übungszeit. »Der Rest kommt dann irgendwann von ganz allein.« Zusammen mit meiner Gruppe holen wir das Ruderboot wieder aus dem Wasser und es wieder in das Bootshaus. Es ist erstaunlich schwer, dafür das wir eben noch mit dem Boot so graziös über das Wasser geglitten sind. Langsam wird es kalt und die Sonne verschwindet hinter einer dicken Wolke.

Die Probestunde hat mir viel Spaß gemacht. Für jeden der sich gern auf dem Wasser oder in der frischen Luft beschäftigen möchte, könnte Rudern vielleicht eine gute Alternative zum Fitnesskeller sein. Auch wenn ich mir das Rudern anders vorgestellt hatte, war ich doch sehr überrascht. Mein Tipp: Einfach mal hingehen und selbst ausprobieren.

Quelle: buerpott (Lisa Berkholz)